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Sommerpause in der Arztpraxis: Weniger Personal, Arzt im Urlaub — was jetzt wirklich hilft

MediMeets Team
·14. Juli 2026·6 Min. Lesezeit
Sommerpause in der Arztpraxis: Weniger Personal, Arzt im Urlaub — was jetzt wirklich hilft

Auf einen Blick

- Zwei typische Sommersituationen: ausgedünntes Team + Arzt im Urlaub oder Praxis komplett zu
- 100–200 Anrufe täglich — konzentriert auf die ersten zwei Stunden
- 75 % der MFA fühlen sich durch Dauerstress am Telefon belastet
- 40 % aller Anrufe betreffen Terminanfragen — könnten online laufen
- Online-Terminbuchung und KI-Telefonassistenz können bis zu 60 % des Aufkommens abfangen

Zwei Situationen, die im Sommer häufig zusammentreffen

Der Sommer bringt für viele Arztpraxen zwei Belastungen gleichzeitig. Beide haben nichts miteinander zu tun — und treffen Praxen trotzdem oft zur selben Zeit.

Situation 1: Das Team ist ausgedünnt

Mehrere Medizinische Fachangestellte haben gleichzeitig Urlaub beantragt. Was im Winterhalbjahr noch gut funktioniert hat — das Telefon annehmen, Termine vergeben, Rezepte bearbeiten, Patienten am Empfang betreuen — liegt jetzt auf weniger Schultern. Manchmal auf einer einzigen.

100 bis 200 Anrufe pro Tag erhält eine durchschnittliche Hausarztpraxis — konzentriert auf die ersten zwei Stunden nach Öffnung. 40 Prozent davon sind Terminanfragen, weitere 20 Prozent Rezeptbestellungen. Das heißt: Bis zu 60 Prozent aller Anrufe sind Routineanliegen, die strukturell digital abgefangen werden könnten — bevor jemand rangehen muss.

75 Prozent der MFA geben an, sich durch das permanente Telefonklingeln gestresst zu fühlen. Das ist unter normalen Bedingungen bereits belastend. Im Sommer, wenn eine Person das auffangen muss, was sonst drei gemeinsam stemmen, wird daraus schnell eine echte Überlastung.

Situation 2: Der Arzt ist im Urlaub

Die zweite Sommersituation betrifft die ärztliche Seite. Auch hier gibt es zwei Varianten, die unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen.

In vielen Praxen läuft der Betrieb mit einem Vertretungsarzt weiter. Patienten rufen an, wollen Termine buchen — und stoßen auf ein verändertes Angebot. Sie fragen nach ihrem gewohnten Arzt, nach laufenden Behandlungen, nach Spezialisten, die der Vertretungsarzt nicht kennt. Das Team muss bei jedem Anruf erklären, wer da ist, was angeboten wird und was in Notfällen zu tun ist. Zusätzlich zur ohnehin erhöhten Belastung.

In anderen Praxen schließt der Arzt komplett — für ein bis drei Wochen. Auf dem Anrufbeantworter ist eine Notfallnummer hinterlegt. Aber Rezeptwünsche, Terminanfragen und Rückfragen zu laufenden Behandlungen kommen trotzdem. Sie stapeln sich, bis jemand zurück ist. Und wenn Arzt und Team nach dem Urlaub wiederkommen, wartet ein Berg an Nachrichten — während gleichzeitig der normale Betrieb wieder anlaufen soll.

Was beide Situationen verbindet: Das Telefon klingelt weiter. Patienten warten nicht, bis der Sommer vorbei ist. Wer darauf keine strukturierte Antwort hat, zahlt den Preis — in Stress für das Team, in Frustration bei Patienten und in einer schwierigen Rückkehr nach dem Urlaub.


Was Patienten heute wollen

26 Prozent der Deutschen vereinbaren Arzttermine bereits online — weitere 38 Prozent könnten sich vorstellen, es zu tun. Die Nachfrage nach digitalen Kontaktmöglichkeiten ist vorhanden. Viele Praxen bieten sie noch nicht an — und verpassen damit eine echte Entlastungsmöglichkeit.


Die Lösungen: Was heute wirklich möglich ist

Es gibt drei digitale Ansätze, die in beiden Sommersituationen strukturell helfen können. Jeder hat eigene Stärken, eigene Grenzen — und eigene Voraussetzungen.

1. Online-Terminbuchung: Patienten buchen selbst — rund um die Uhr

Online-Terminbuchungssysteme ermöglichen es Patientinnen und Patienten, Termine selbst zu buchen — ohne anzurufen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Freie Slots werden automatisch vergeben, Bestätigungen und Erinnerungen laufen automatisch. In Praxen, die Online-Terminbuchung anbieten, sinkt das Telefonaufkommen um 20 bis 35 Prozent.

Was das konkret bedeutet

  • Bei ausgedünntem Team: Bis zu 40 % aller Anrufe — die Terminanfragen — fallen weg, bevor jemand rangehen muss

  • Bei Vertretungsarzt: Vertretungsslots werden direkt im System hinterlegt — Patienten sehen nur, was wirklich buchbar ist

  • Bei Praxisschließung: Termine für die Zeit nach dem Urlaub können bereits während der Schließung gebucht werden

  • Automatische Erinnerungen reduzieren No-Shows — das ist besonders wertvoll, wenn das Team klein ist

Was Online-Terminbuchung nicht ersetzt

Nicht alle Patienten buchen online. Ältere Patientinnen und Patienten sowie akut Erkrankte greifen weiterhin zum Telefon. Online-Terminbuchung ist eine Ergänzung — kein vollständiger Ersatz. Praxen mit einer älteren Patientenstruktur sollten das bei der Planung berücksichtigen.

Worauf bei der Auswahl zu achten ist

  • Das Buchungssystem muss mit dem vorhandenen Praxisverwaltungssystem kompatibel sein — sonst entstehen doppelte Buchführung und Fehler: PVS-Anbindung

  • Patientendaten werden verarbeitet — der Anbieter muss den deutschen Datenschutzanforderungen entsprechen: DSGVO-Konformität

  • Vertretungszeiten, eingeschränkte Leistungen und Abwesenheitsinformationen müssen flexibel einstellbar sein: Konfigurierbarkeit


2. KI-Telefonassistent: Wer anruft, landet nicht in der Warteschleife

KI-gestützte Telefonassistenten übernehmen eingehende Anrufe, klären das Anliegen und können — je nach System — Termine direkt ins Praxisverwaltungssystem buchen, Anfragen strukturiert aufnehmen oder Notfälle weiterleiten. Sie sind rund um die Uhr erreichbar, auch wenn niemand im Team da ist.

Laut verfügbaren Herstellerangaben kann der Einsatz von KI-Telefonassistenten das Telefonaufkommen, das vom menschlichen Team beantwortet werden muss, um bis zu 60 Prozent reduzieren.

Was das konkret bedeutet

  • Bei ausgedünntem Team: Die verbleibende MFA wird massiv entlastet — Routineanrufe werden automatisch bearbeitet

  • Bei Vertretungsarzt: Das System beantwortet automatisch Fragen zu Öffnungszeiten, Vertretung und eingeschränktem Angebot

  • Bei Praxisschließung: Anrufe werden weiterhin entgegengenommen, Anfragen strukturiert aufgenommen — niemand hört nur einen Anrufbeantworter

  • Notfälle werden erkannt und an die hinterlegte Notfall- oder Vertretungsnummer weitergeleitet

Was KI-Telefonassistenz nicht kann

KI-Telefonassistenten können keine medizinischen Einschätzungen treffen und sind kein Ersatz für ärztliches oder menschliches Urteilsvermögen. Komplexe Anliegen und emotionale Gespräche müssen weiterhin an Menschen weitergeleitet werden. Die Qualität der verfügbaren Systeme variiert erheblich — eine sorgfältige Auswahl ist wichtig.

Worauf bei der Auswahl zu achten ist

  • Nur wenn das System direkt ins PVS buchen kann, entsteht echter Mehrwert — sonst bleibt die manuelle Nachbearbeitung: PVS-Kompatibilität

  • Gespräche werden verarbeitet — der Anbieter muss zertifiziert und DSGVO-konform sein: DSGVO und Datensicherheit

  • Klare Weiterleitungsregeln für Notfälle sind medizinisch und rechtlich zwingend erforderlich: Notfall-Routing

  • Patienten sollten wissen, dass sie mit einem KI-System sprechen: Transparenz gegenüber Patienten


3. Digitale Patientenkommunikation: Anfragen asynchron abwickeln

Über digitale Patientenportale können Rezeptanfragen, Überweisungen und allgemeine Rückfragen schriftlich eingereicht werden — ohne Telefonat. Das Team bearbeitet sie gebündelt, wenn Kapazität vorhanden ist. Während einer Praxisschließung werden die Anfragen gesammelt und nach der Rückkehr abgearbeitet — statt als unstrukturierter Haufen auf dem Anrufbeantworter.

Was zu beachten ist

Auch hier gilt: Nicht alle Patientinnen und Patienten sind mit digitalen Portalen vertraut. Die Einführung sollte schrittweise erfolgen und klar kommuniziert werden — auf der Praxiswebsite, im Wartezimmer und auf dem Anrufbeantworter während der Schließzeit.

Was bei der Auswahl immer zu prüfen ist

  • Ist das Tool an das vorhandene Praxisverwaltungssystem anbindbar?: PVS-Kompatibilität

  • Werden Patientendaten nach deutschen Datenschutzanforderungen verarbeitet?: DSGVO-Konformität

  • Welcher Anteil der Patienten ist digital affin — und wie wird der Rest weiterhin erreicht?: Patientenstruktur

  • Manche Tools sind für den laufenden Betrieb optimiert, andere für den Abwesenheitsmodus — das beeinflusst die Wahl: Szenario-Eignung

  • Online-Buchung und KI-Telefon ergänzen sich — zusammen decken sie mehr Szenarien ab als jedes Tool allein: Kombination


Fazit

Ob das Team im Sommer ausgedünnt ist, der Arzt mit Vertretung weg ist oder die Praxis ganz schließt — in allen Situationen laufen Patientenanfragen weiter. Online-Terminbuchung, KI-Telefonassistenz und digitale Patientenkommunikation können strukturell entlasten: Sie fangen das auf, was sonst auf einzelnen Schultern landet.

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der konkreten Situation, der Praxisgröße, der Patientenstruktur und dem vorhandenen PVS ab. Die technischen Möglichkeiten, den Sommer strukturiert zu überbrücken, sind heute vorhanden. Wer sie früh einrichtet, kommt entspannt zurück.

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