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MediMeets

Medizinisches Wissen & Entscheidungsunterstützung

Medizinische Wissenssysteme beantworten klinische Fragen während der Sprechstunde aus einem geprüften Bestand an Leitlinien und Fachliteratur und geben die Quelle zur Antwort an.

Was ein Wissenssystem in der Sprechstunde leistet

In der Sprechstunde entstehen Fragen, die zwischen zwei Patienten beantwortet sein müssen. Die aktuelle Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion, die Wechselwirkung mit einem Präparat, das der Patient seit Jahren nimmt, der Stand einer Leitlinie, die seit ihrer letzten Überarbeitung nicht wieder aufgeschlagen wurde.

Ein Wissenssystem beantwortet solche Fragen aus einem festgelegten Bestand, je nach Produkt aus Leitlinien, Fachinformationen, Studien oder redaktionell geprüften Zusammenfassungen. Die Antwort kommt mit dem Beleg, im besten Fall pro Aussage einzeln, mit Link und Fundstelle. Das ist der Unterschied zwischen einer Auskunft, die man übernehmen kann, und einer, die man erst nachprüfen muss.

Entscheidend ist dabei nicht die Menge des Wissens, sondern der Weg dorthin. Ein Nachschlagewerk, das drei Klicks und einen Programmwechsel entfernt liegt, wird im Takt der Sprechstunde nicht geöffnet.

Geprüfter Bestand statt offenes Web

Allgemeine Sprachmodelle antworten flüssig auf medizinische Fragen und erfinden dabei gelegentlich Quellen, die es nicht gibt. Für eine Therapieentscheidung ist das unbrauchbar, und die Prüfung der Quelle kostet mehr Zeit, als das Nachschlagen gespart hat.

Die Systeme dieser Kategorie arbeiten deshalb auf einem festgelegten Bestand. Wie weit der reicht, unterscheidet sie. Manche antworten ausschließlich aus einer eigenen, redaktionell geprüften Bibliothek, andere durchsuchen Studien- und Behördendatenbanken wie PubMed, EMA und FDA. Das offene Web gehört in keinem Fall dazu.

Regulatorisch sind die Produkte nicht dasselbe. Manche sind als Medizinprodukt CE-zertifiziert, andere sind als Nachschlagewerk auf den Markt gebracht. Welchen Zweck der Hersteller erklärt hat, steht in seiner Zweckbestimmung. Die Entscheidung selbst trägt in beiden Fällen der Arzt. Die Klasse sagt, welchem Prüfmaßstab sich der Anbieter gestellt hat, und nicht jeder Anbieter nennt sie.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Klären Sie zuerst, welche Art von Antwort Sie brauchen. Wer den rohen Evidenzstand sucht, braucht die Suche in der Primärliteratur, also Studien und Behördendokumente selbst. Wer eine eingeordnete Empfehlung will, ist mit einer redaktionellen Aufbereitung schneller. Die Produkte unterscheiden sich darin erheblich.

Danach zählt die Anbindung. Lässt sich die Frage direkt aus der Praxissoftware stellen, wird das System benutzt. Muss dafür ein zweites Programm geöffnet und eine Anmeldung durchlaufen werden, bleibt es liegen. Prüfen Sie im selben Zug, ob Arzneimittelinformationen mit Dosierung und Wechselwirkungen enthalten sind oder ob dafür weiterhin eine zweite Quelle nötig ist.

Drei weitere Punkte hängen von der Praxis ab. Die Inhalte sollten auf Deutsch vorliegen, weil eine rein englische Oberfläche Teile des Teams ausschließt. Das System sollte ohne Internetverbindung arbeiten, wie es beim Hausbesuch oder im Heim oft nötig ist. Und es sollte die Eingabe von Patientendaten des konkreten Falls erlauben. Manche Anbieter schließen das bewusst aus. Das ist eine Datenschutzentscheidung mit unmittelbarer Folge für den Nutzen am Behandlungsplatz.

Fortbildungspunkte fallen beim Nachschlagen nicht nebenbei an. Sie gibt es für zertifizierte Module mit Lernerfolgskontrolle. Wer die Punkte ohnehin sammeln muss, sollte prüfen, ob der Anbieter solche Module im selben Abo führt.

Woran sich die Produkte unterscheiden

Nach genau diesen Kriterien lässt sich der Vergleich filtern.

  • Enthält Arzneimittelinformationen mit Dosierung und WechselwirkungenWirkstoffdaten, indikationsgerechte Dosierung, Wechselwirkungen und Kontraindikationen sind im selben Werkzeug. Sonst muss dafür eine zweite Quelle geöffnet werden.
  • Jede Aussage ist einzeln mit Quelle und Fundstelle belegtNicht nur eine Quellenliste am Ende, sondern pro Satz ein Verweis mit Link und Seitenmarker, den man in Sekunden nachprüfen kann.
  • Antworten stammen ausschließlich aus einer geschlossenen, geprüften BibliothekDas System greift nur auf einen kuratierten Bestand zu und nicht auf das offene Web. Das ist der Unterschied zu einem allgemeinen Chatbot, der plausibel klingende Quellen erfinden kann.
  • Primärliteratur wird durchsuchtStudien und Behördendokumente selbst, nicht nur eine redaktionelle Zusammenfassung darüber. Wer den rohen Evidenzstand braucht, ist darauf angewiesen. Wer eine eingeordnete Empfehlung will, eher nicht.
  • Aufruf direkt aus der Praxissoftware möglichDie Frage lässt sich aus dem PVS heraus stellen, ohne das Programm zu verlassen. Ein Nachschlagewerk drei Klicks entfernt wird im Sprechstundentakt nicht benutzt.
  • Die Inhalte sind auf Deutsch verfügbarEine rein englische Oberfläche kostet im Praxisalltag Zeit und schließt Teile des Teams aus.
  • Als Medizinprodukt CE-zertifiziertOb die Anwendung als Medizinprodukt CE-zertifiziert ist und in welcher Klasse. Klasse I ist eine Selbsterklärung des Herstellers, ab Klasse IIa prüft eine Benannte Stelle mit.
  • Ohne Internetverbindung nutzbarDas Wissen steht auch im Hausbesuch, im Keller oder im Funkloch zur Verfügung.
  • Zertifizierte Fortbildungspunkte (CME) erwerbbarOb der Anbieter zertifizierte Fortbildungsmodule mit CME-Punkten führt.
  • Patientendaten des konkreten Falls können eingegeben werdenDie Frage lässt sich am vorliegenden Fall stellen. Manche Anbieter schließen die Verarbeitung von Patientendaten bewusst aus, eine Datenschutz-Entscheidung mit unmittelbarer Folge für den Nutzen am Behandlungsplatz.

Anbieter in dieser Kategorie

Alle 3 Produkte der Kategorie, dargestellt wie im Katalog.

Häufige Fragen

Ersetzt ein Wissenssystem die eigene Leitlinienrecherche?

Für die schnelle Frage in der Sprechstunde meist ja, weil die Leitlinien im Bestand geführt werden. Verlassen kann man sich darauf nur, wenn die Antwort die Leitlinie mit Version und Fundstelle nennt. Wo es auf den Wortlaut ankommt, etwa bei Aufklärung, Gutachten oder Regress, bleibt der Blick in die AWMF-Fassung nötig.

Darf die Auskunft eine Therapieentscheidung tragen?

Die Entscheidung trägt der Arzt, nicht das System. Die Zertifizierung sagt, wofür der Hersteller sein Produkt bestimmt hat. Ein als Medizinprodukt CE-zertifiziertes System ist für die Entscheidungsunterstützung geprüft, ein Nachschlagewerk ist es nicht. Wer die Auskunft in die Entscheidung einfließen lässt, sollte wissen, welche der beiden Rollen das eingesetzte Produkt hat.

Was kostet ein solches System?

Die Modelle reichen von der Lizenz pro Arzt bis zur Praxislizenz. Manche Anbieter haben einen kostenlosen Einstieg mit begrenzter Anfragezahl, andere nennen keinen öffentlichen Preis. Vergleichbar wird das erst zusammen mit dem Funktionsumfang, weil Arzneimitteldaten, PVS-Anbindung und Fortbildungsmodule nicht überall enthalten sind.

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