Wunddokumentation
Wunddokumentation hält Foto, Vermessung und Verlauf einer Wunde in einer eigenen Akte fest, die je nach Produkt auch Pflegedienst oder Heim einsehen können.
Was eine Wunddokumentation leistet
Eine chronische Wunde wird über Monate versorgt, und meist nicht nur in der Praxis. Pflegedienst, Heim und Wundmanager sehen dieselbe Wunde in unterschiedlichen Abständen. Ohne gemeinsame Akte entsteht der Verlauf aus Gedächtnis, Papierbogen und Fotos, die per Messenger verschickt wurden.
Eine Wunddokumentation hält jeden Verbandwechsel an einem Ort fest: Foto, Größe, Wundgrund, Exsudat, Wundrand und Wundumgebung, Infektionszeichen und das verwendete Material. Das Foto entsteht in der App und wird dort gespeichert, nicht in der Fotogalerie des Geräts.
Aus dem Verlauf wird damit eine Beurteilung. Ob eine Wunde seit vier Wochen kleiner wird oder stagniert, ist an gemessenen Flächen ablesbar und nicht an einer Erinnerung. Die Fotovermessung erfasst dabei die Fläche. Tiefe und Unterminierung bleiben eine Sache der Sondierung.
Das Foto mit dem Praxishandy
Verbreitet ist das Foto mit dem Diensthandy oder dem privaten Gerät. Das Bild landet in der Kamerarolle, wandert in Geräte-Backups und Cloud-Konten und wird zum Teilen über einen Messenger verschickt. Für Gesundheitsdaten ist das der Weg mit den wenigsten Kontrollen, und nachträglich lässt sich das nicht korrigieren.
Hinzu kommt, dass eine Fotogalerie einen Verlauf zeigt, aber keinen vergleichbaren. Ohne feste Aufnahmegeometrie und ohne Vermessung bleibt der Eindruck subjektiv. Getrennte Speicherung und reproduzierbare Messung sind der Grund für eine eigene Anwendung.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Die erste Frage ist die Vermessung. Manche Anwendungen messen nur, wenn ein aufgeklebtes Lineal oder ein Kalibriermarker mit im Bild liegt. Fehlt das Zubehör beim Hausbesuch, gibt es keine Messung. Markerlose Verfahren kommen ohne aus. Ist die Messung gegen die manuelle Messung mit Lineal geprüft und publiziert, ist die angegebene Genauigkeit belegt und nicht nur behauptet.
Zur Vermessung gehört die Aufnahme selbst. Manche Anwendungen blenden beim Fotografieren die letzte Aufnahme halbtransparent ein, sodass Winkel und Abstand wieder stimmen. Ohne das bleibt der Vergleich zweier Bilder ungenau.
Die zweite Frage ist der Zugriff von außen. Wenn Pflegedienst oder Heim denselben Verlauf sehen können, entfällt das Verschicken von Fotos. Können sie es nicht, bleibt die Praxisakte unvollständig, egal wie gut sie geführt wird.
Danach kommt die Materialseite. Ein Teil der Anwendungen schlägt nach der Beurteilung eine konkrete Versorgung für den nächsten Verbandwechsel vor, statt nur ein Dokumentationsfeld anzubieten. Wo das der Fall ist, zählt die Herkunft des hinterlegten Produktkatalogs. Kostenfreie Wund-Apps sind häufig von einem Hersteller von Wundversorgungsprodukten finanziert, und der Materialvorschlag sollte trotzdem alle Anbieter führen.
Zwei Punkte klären Sie vor der Testphase. Die App muss ohne Netz arbeiten, wie es im Heim und beim Hausbesuch die Regel ist. Und Foto und Befund müssen über eine Schnittstelle in Akte oder Archiv gelangen, statt als PDF, das jemand von Hand ablegt. Der zweite Punkt entscheidet im Alltag darüber, ob die Dokumentation vollständig bleibt.
Anwendungen, deren Vermessung eine Therapieentscheidung stützt, sind in der Regel Medizinprodukte. Fragen Sie nach CE-Kennzeichnung und Klasse. Klasse I ist eine Selbsterklärung des Herstellers, ab Klasse IIa prüft eine Benannte Stelle mit.
Woran sich die Produkte unterscheiden
Nach genau diesen Kriterien lässt sich der Vergleich filtern.
- Externe Pflegekräfte können auf dieselbe Wundakte zugreifenChronische Wunden werden selten nur in der Praxis versorgt. Können Pflegedienst, Heim oder ein externer Wundmanager denselben Verlauf sehen, oder wandern weiter Fotos per Messenger?
- Die App schlägt die nächste Wundversorgung vorNach der Beurteilung kommt ein konkreter Versorgungsvorschlag für den nächsten Verbandwechsel, statt nur ein Dokumentationsfeld.
- Die Wunde wird ohne Lineal oder Marker im Bild vermessenManche Apps messen nur, wenn ein aufgeklebtes Lineal oder ein Kalibriermarker mit auf dem Foto ist. Fehlt es, gibt es keine Messung. Kontaktlose Verfahren brauchen kein Zubehör, das beim Hausbesuch dabei sein müsste.
- Der hinterlegte Produktkatalog ist herstellerneutralKostenfreie Wund-Apps sind meist von einem Wundversorgungs-Hersteller finanziert. Zulässig, aber der Materialvorschlag sollte alle Anbieter führen, nicht nur den eigenen.
- Die App ist ohne Internetverbindung nutzbarBeim Hausbesuch oder im Heim gibt es oft kein Netz. Offline-fähige Apps erfassen dort vollständig und synchronisieren später.
- Beim Fotografieren wird das Vorbild deckungsgleich eingeblendetDas letzte Foto erscheint halbtransparent im Sucher, sodass die neue Aufnahme denselben Winkel und Abstand trifft. Eine reine Fotogalerie zeigt einen Verlauf, aber keinen vergleichbaren.
- Die Messgenauigkeit ist in einer veröffentlichten Studie belegtIst die Vermessung gegen die klassische Messung geprüft und publiziert, oder beruht die Genauigkeit auf Herstellerangaben? Bei einer Doku, die im Streitfall Bestand haben soll, ist das der Unterschied zwischen Beleg und Behauptung.
- Foto und Befund gelangen über eine Schnittstelle in Akte oder ArchivLanden sie automatisch dort, oder exportiert die App ein PDF, das jemand von Hand ablegen muss? Der Handgriff entscheidet, ob die Doku im Alltag vollständig bleibt.
- Die App ist als Medizinprodukt CE-zertifiziertWundvermessung, die Therapieentscheidungen trägt, ist regulatorisch kein Foto-Tool.
Diese Funktionen hat jedes Produkt der Kategorie.
- Fotos werden außerhalb der privaten Kamerarolle gespeichert
Anbieter in dieser Kategorie
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Häufige Fragen
Ersetzt die App die Dokumentation in der Praxissoftware?
Nein. Die Wunddokumentation führt den Wundverlauf mit Bild und Messung, die Behandlungsdokumentation bleibt in der Praxissoftware und unterliegt dort den üblichen Aufbewahrungsfristen. Entscheidend ist deshalb die Schnittstelle zwischen beiden.
Dürfen externe Pflegekräfte auf die Wundakte zugreifen?
Nur mit einer tragfähigen Grundlage. Ein externer Pflegedienst gehört nicht zum Praxisteam, deshalb reicht es nicht, den Patienten zu informieren. Nötig sind seine Einwilligung und eine vertragliche Regelung mit dem Anbieter der Anwendung. Die Anforderungen im Einzelfall klärt Ihre Datenschutzbeauftragte oder Ihre Ärztekammer.
Wie genau ist eine Vermessung ohne Marker?
Das hängt vom Verfahren ab und ist der Punkt, an dem sich die Produkte unterscheiden. Fragen Sie nach einer veröffentlichten Studie, die die Messung gegen die manuelle Messung prüft. Beruht die Genauigkeit allein auf Herstellerangaben, ist sie eine Zusage und kein Beleg.
Nächster Schritt
Passt das zu meiner Praxis?
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