KI-Dokumentation für Arztpraxen: Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Symbolbild, KI-generiert
Ein Arztgespräch dauert zehn Minuten, die Dokumentation danach oft genauso lang. Zeit, die am Ende des Tages fehlt. KI-Dokumentation setzt genau hier an: Sie erstellt aus dem Gespräch automatisch strukturierte Dokumente, statt nur mitzuschreiben.
Was ist KI-Dokumentation?
KI-Dokumentation erstellt aus dem Arzt-Patienten-Gespräch automatisch strukturierte Dokumente: Arztbriefe, Überweisungen, Abrechnungsvorschläge und mehr. Anders als reine Spracherkennung verschriftlicht sie nicht nur das Gesagte, sondern verdichtet es zu fertigen, verwertbaren Dokumenten.
Wichtig für die Einordnung: Wer nur eine reine Verschriftlichung von Diktaten sucht, ohne automatische Dokumentenerstellung, ist bei der verwandten Kategorie Spracherkennung besser aufgehoben.
Welchen Nutzen bringt KI-Dokumentation – für wen?
Für die Praxis / Ärztin und Arzt
Deutlich weniger Zeit nach Feierabend oder zwischen Patienten für Arztbriefe, Überweisungen und andere Dokumente. Die Software erstellt einen Großteil automatisch aus dem Gespräch heraus.
Für MFA und Praxisteam
Strukturierte, einheitliche Dokumentation mit automatisch vorgeschlagenen Abrechnungscodes als zusätzliche Entlastung bei der Kassenabrechnung.
Für Patientinnen und Patienten
Bei manchen Anbietern gibt es zusätzlich eine für Patienten verständliche Zusammenfassung des Gesprächs.
Worauf sollten Praxen bei der Auswahl achten?
Wie mitgehört wird, ist die erste Weiche: Ambient Listening hört automatisch während des ganzen Gesprächs mit (dafür ist die Einwilligung des Patienten nötig), die Diktatfunktion läuft klassisch mit gezielt gesprochener Zusammenfassung. Manche Anbieter bieten beides.
Darüber hinaus, in der Reihenfolge des tatsächlichen Nutzens für die Praxis:
Erstellt weitere Dokumente über den Arztbrief hinaus: Überweisungen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, Gutachten und Anträge automatisch mitzuerstellen ist der größte Zeitersparnis-Hebel.
Automatische Verlaufsnotizen: laufende Dokumentation im Patientenverlauf, ohne jede Notiz einzeln zu tippen.
Abrechnungscode-Vorschläge (EBM/GOÄ/BEMA/GOZ): passende Codes werden automatisch vorgeschlagen. Direkter Nutzen für die Praxis-Einnahmen.
ICD-10-Kodierungsvorschläge: kann eine Pflicht-Zertifizierung auslösen (siehe Datenschutz-Abschnitt).
Fachrichtungsspezifische Vorlagen: entscheidend ist, ob das Tool wirklich für die eigene Fachrichtung nutzbar ist.
Klinischer Entscheidungsassistent (Wechselwirkungen, Leitlinien): hoher Nutzen, ebenfalls potenziell zertifizierungspflichtig.
Mehrsprachigkeit: Dokumentation bzw. Arztbriefe in mehreren Sprachen.
Patienten-Zusammenfassung in einfacher Sprache.
Eigene Vorlagen anlegen: die Praxis kann Dokumentvorlagen selbst anpassen.
Sprechererkennung: trennt im Text automatisch, wer spricht: Arzt oder Patient.
Quellenverweise mit Zeitstempel: jede Aussage lässt sich zur genauen Stelle im Originalgespräch zurückverfolgen.
Versionierung: Änderungen am Dokument werden nachvollziehbar gespeichert.
Datenschutz bei KI-Dokumentation: Worauf sollten Praxen achten?
Bei Ambient Listening wird das komplette Gespräch aufgenommen. Entsprechend genau sollten Praxen wissen, was mit dieser Aufnahme passiert.
Wie lange die Rohaufnahme bestehen bleibt
Sofort gelöscht, nach 24 Stunden oder erst nach 14 Tagen? Diese konkrete Zeitangabe ist real relevant.
Keine Nutzung für KI-Training
Mehrere Anbieter sichern explizit zu, Praxisdaten nicht zum Training ihrer Modelle zu verwenden. Lassen Sie sich das konkret bestätigen.
Gesetzlich verpflichtend
AVV (Art. 28 DSGVO): Ein Auftragsverarbeitungsvertrag muss mit jedem Anbieter abgeschlossen werden.
BSI-C5-Testat Typ 2 (§ 393 SGB V): Seit Juli 2025 für Cloud-Anbieter im Gesundheitswesen Pflicht.
MDR-Zertifizierung (bedingt): Sobald eine KI-Funktion diagnostisch oder therapeutisch wirkt, etwa bei ICD-10-Kodierungsvorschlägen oder einem klinischen Entscheidungsassistenten, greift die Medizinprodukteverordnung mit CE-Kennzeichnungspflicht.
Diese Punkte sind gesetzlich zwingend. Anders als optionale Vertrauens- oder Zusatzmerkmale, die einzelne Anbieter freiwillig bieten.
KI-Dokumentation: Worauf bei den Kosten achten?
Ein Pro-Nutzer-Modell dominiert: Der Preis richtet sich meist danach, wie viele Ärztinnen und Ärzte die Software gleichzeitig nutzen.
Preis pro Nutzer statt Pauschalpreis
Je mehr Ärzte in der Praxis mit dem Tool arbeiten sollen, desto direkter steigen die Kosten. Lohnt sich vorab durchzurechnen, gerade bei wachsenden Praxen.
Monatliche Kündbarkeit als Branchenstandard
In dieser Kategorie ist eine monatliche statt einer langen Vertragsbindung üblich. Weicht ein Anbieter deutlich davon ab, lohnt sich eine gezielte Nachfrage.
Praxis-Tipp: Klären Sie vor Vertragsschluss, ob der Preis pro Arzt, pro Praxis oder nach Nutzungsvolumen berechnet wird.Häufige Fragen zu KI-Dokumentation
Was ist der Unterschied zwischen KI-Dokumentation und Spracherkennung?
KI-Dokumentation erstellt aus dem Gespräch automatisch strukturierte Dokumente wie Arztbriefe. Reine Spracherkennung verschriftlicht nur das Gesagte, ohne daraus fertige Dokumente zu erstellen.
Ist KI-Dokumentation ein zulassungspflichtiges Medizinprodukt?
Nur bedingt: Sobald eine Software ICD-10-Codes vorschlägt oder als klinischer Entscheidungsassistent wirkt, greift die MDR-Zertifizierungspflicht. Reine Dokumentation ohne solche Funktionen bleibt meist zulassungsfrei.
Werden meine Praxisdaten zum KI-Training verwendet?
Das hängt vom Anbieter ab. Mehrere Anbieter sichern explizit zu, das nicht zu tun. Lassen Sie sich das konkret bestätigen.
Wie wird KI-Dokumentation typischerweise abgerechnet?
Meist pro Nutzer bzw. pro Arzt, nicht als Pauschalpreis für die ganze Praxis.
Kann ich sowohl Ambient Listening als auch Diktat nutzen?
Bei manchen Anbietern ja. Beide Aufnahmearten sind unabhängig voneinander wählbar.
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