Spracherkennung für Arztpraxen: Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Diktieren statt Tippen: Spracherkennungssoftware wandelt gesprochene Sprache in geschriebenen Text um und nimmt Ärztinnen und Ärzten damit einen Großteil der reinen Schreibarbeit ab, ohne die Dokumentation inhaltlich zu verändern.
Was ist Spracherkennung?
Spracherkennung transkribiert gesprochene Sprache in Text. Der Arzt diktiert, die Software schreibt mit. Anders als KI-Dokumentation erstellt reine Spracherkennung keine strukturierten Dokumente wie Arztbriefe oder Abrechnungsvorschläge, sondern liefert in erster Linie eine möglichst genaue Verschriftlichung des Gesagten.
Wichtig für die Einordnung: Wer eine Software sucht, die automatisch Arztbriefe, Überweisungen oder Abrechnungscodes erstellt, ist bei reiner Spracherkennung an der falschen Adresse. Das leistet die verwandte, aber unterschiedliche Kategorie KI-Dokumentation.
Welchen Nutzen bringt Spracherkennung – für wen?
Für die Praxis / Ärztin und Arzt
Deutlich schnelleres Verschriftlichen von Diktaten, ohne dass jemand im Team das Diktat manuell abtippen muss.
Für MFA und Praxisteam
Weniger Zeit für das Abtippen von Diktaten, dafür mehr Zeit für andere Aufgaben. Der Text liegt direkt nach dem Diktat vor.
Für Patientinnen und Patienten
Indirekter Nutzen: Der Arzt kann sich stärker auf das Gespräch konzentrieren, wenn die Dokumentation im Anschluss schneller erledigt ist.
Worauf sollten Praxen bei der Auswahl achten?
Ambient Listening oder aktives Diktat: Hört die Software automatisch während des ganzen Gesprächs mit (dafür ist die Einwilligung des Patienten nötig), oder spricht der Arzt gezielt eine Zusammenfassung? Manche Anbieter bieten beides.
Transkriptionsgenauigkeit und Dialekterkennung: Wie zuverlässig wird Fachvokabular und ggf. Dialekt erkannt. Das ist der eigentliche Qualitätsunterschied zwischen den Anbietern.
Mehrsprachigkeit: Kann auch in anderen Sprachen als Deutsch diktiert werden.
Sprechererkennung: Erkennt automatisch, wer gerade spricht: Arzt oder Patient und trennt das im Transkript.
Echtzeit-Transkription: Erscheint der Text sofort während des Sprechens, oder erst nach Abschluss der Aufnahme?
Hardware-Bedarf: Die meisten Tools laufen mit Smartphone- oder Laptop-Mikrofon, einzelne Anbieter liefern spezielle Diktiergeräte mit oder empfehlen sie. Das kann zusätzliche Anschaffungskosten bedeuten.
Datenschutz bei Spracherkennung: Worauf sollten Praxen achten?
Auch reine Transkription verarbeitet Gesundheitsdaten aus dem Arztgespräch. Entsprechend gelten dieselben Grundpflichten wie bei anderen Kategorien.
Wie lange die Audioaufnahme bestehen bleibt
Wird die Aufnahme nach der Transkription sofort gelöscht, nach 24 Stunden oder erst nach mehreren Tagen? Diese konkrete Zeitangabe sollte der Anbieter klar benennen können.
Keine Nutzung für KI-Training
Manche Anbieter sichern explizit zu, Praxisdaten nicht zum Training ihrer Spracherkennungs-Modelle zu verwenden, lassen Sie sich das konkret bestätigen.
Gesetzlich verpflichtend
AVV (Art. 28 DSGVO): Ein Auftragsverarbeitungsvertrag muss mit jedem Anbieter abgeschlossen werden.
BSI-C5-Testat Typ 2 (§ 393 SGB V): Seit Juli 2025 für Cloud-Anbieter im Gesundheitswesen Pflicht.
Nicht relevant für reine Spracherkennung: Die MDR-Zertifizierungspflicht gilt nur, wenn eine Software diagnostisch oder therapeutisch wirkt (z. B. durch ICD-10-Vorschläge). Reine Transkription ohne solche Funktionen bleibt in aller Regel zulassungsfrei.
Spracherkennung: Worauf bei den Kosten achten?
Wie bei KI-Dokumentation dominiert ein Preis pro Nutzer statt eines Pauschalpreises für die ganze Praxis.
Preis pro Nutzer
Je mehr Ärztinnen und Ärzte die Software gleichzeitig nutzen sollen, desto direkter steigen die Kosten.
Zusätzliche Hardware
Wird ein spezielles Diktiergerät benötigt oder empfohlen, kommt das als separater Kostenpunkt zum Softwarepreis hinzu.
Praxis-Tipp: Testen Sie die Transkriptionsgenauigkeit möglichst mit echtem medizinischem Fachvokabular aus Ihrer Fachrichtung, bevor Sie sich entscheiden. Die Qualität unterscheidet sich hier stärker zwischen Anbietern als bei den meisten anderen Kategorien.Häufige Fragen zu Spracherkennung
Was ist der Unterschied zwischen Spracherkennung und KI-Dokumentation?
Spracherkennung verschriftlicht gesprochene Sprache. KI-Dokumentation geht weiter und erstellt daraus automatisch strukturierte Dokumente wie Arztbriefe oder Abrechnungsvorschläge.
Muss Spracherkennungssoftware als Medizinprodukt zertifiziert sein?
In der Regel nein, solange sie nur transkribiert und keine diagnostischen oder therapeutischen Vorschläge macht.
Wird meine Audioaufnahme dauerhaft gespeichert?
Das hängt vom Anbieter ab. Fragen Sie konkret nach der Löschfrist der Rohaufnahme nach der Transkription.
Brauche ich spezielle Hardware für Spracherkennung?
Nicht zwingend, die meisten Tools funktionieren mit dem Mikrofon von Smartphone oder Laptop. Einzelne Anbieter bieten oder empfehlen spezielle Diktiergeräte.
Funktioniert Spracherkennung auch bei starkem Dialekt?
Das unterscheidet sich deutlich zwischen Anbietern. Ein Test mit der eigenen Aussprache vor der Entscheidung ist sinnvoll.
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